Auszeichnung für tiefgründige und respektvolle Armutsberichterstattung – Zweiter Journalismus-/Medienpreis im Jahr 2014

 PÄMIERTE BEITRÄGE – WEISSE DRACHEN-TROPHÄEN – ZÜNDHÖLZER
SPRACHE BILDET WIRKLICHKEIT – WEISS ENTHÄLT ALLE FARBEN – ZÜNDENDE IDEEN LIEFERN STORIES/ENERGIEREICHTUM

Am Montag, 15. Dezember 2014 wurde in Wien der von der Armutskonferenz ausgeschriebene „Journalismuspreis von unten“ vergeben. Bewertet durch eine Jury, deren Mitglieder selbst von Armut betroffen sind, wurden acht JournalistInnen aus den insgesamt vier Kategorien TV, Radio, Print und Online ausgezeichnet. Dieser Journalismuspreis wurde zum fünften Mal vergeben und zeichnet österreichweit „tiefgründige und respektvolle Armutsberichterstattung“ aus.
Bei dieser Veranstaltung im „reflektor“ in der Preßgasse durfte ich den Anerkennungspreis in der Kategorie Online für meinen Blog-Artikel „Was verdienen Flüchtlinge? – Österreich, ein Land mit Potenzial zur menschenwürdigen Asylpolitik“ entgegen nehmen. Es war und ist eine große Ehre für mich – es ist ein besonderer Preis und es ist eine besondere Runde an Menschen, in der ich den Preis erhalten habe.


Jury-Begründung (Ausschnitt):

„Viele Fakten gegen all die Vorurteile – und Geschichten, die bewegen.“


Dr.in Johanna E. Feest in der Laudatio (Ausschnitt):

„Dieser Beitrag ist der Grund, weshalb ich beschlossen habe, mich intensiv mit den Menschenrechten zu beschäftigen.“


Relativ unvorbereitet traf mich bei der Entgegennahme des Preises die Frage, ob ich etwas sagen wolle. Es sei an diesem Punkt erwähnt, dass ich vor geschätzt mehr als 50 Anwesenden, darunter einige teils bekannte KollegInnen, stand. Spontan war mir wichtig, Folgendes zu sagen:

„Ich denke, das Thema/der Artikel/die Geschichte spricht für sich. Ich bedanke mich beim Team der Armutskonferenz/der Jury, meinen ProtagonistInnen, v. a. bei Farid (seinen Namen habe ich bewusst geändert, um ihn zu schützen), der mit seiner Lebensgeschichte einer von vielen ist, zwar einen gültigen Fremdenpass, aber zum jetzigen Zeitpunkt immer noch keinen Job hat. Weiters danke ich den beteiligten MitarbeiterInnen des Roten Kreuzes für die Expertise und die Unterstützung. Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle Frau Mag.a Janousek, die heute anwesend ist. DANKESCHÖN!“


Die folgenden Worte drücken meine Gedanken jetzt noch immer so gut aus, wie vor zehn Monaten: „DANKE an alle, die mich bisher in meinem journalistischen Werdegang und anderswo unterstützt haben! Ohne Sie/dich/euch wäre diese Auszeichnung so für mich nicht möglich gewesen! – Und es gab so einige „Wegweisende“ in den letzten zehn Jahren, die mich in die richtige Richtung geführt und unterstützt haben 😉
Ich war und bin teilweise sprachlos. Es ist einfach unbeschreiblich!!!!“ (s. Blogbeitrag zur Auszeichnung für hochwertigen Wirtschaftsjournalismus (U35))

Für mich ist es die zweite Auszeichnung in diesem Jahr. Das ist unglaublich!
Die Folge-Veröffentlichungen von „Was verdienen Flüchtlinge?“ in mehreren Online-Medien des Roten Kreuzes verleihen dem Artikel eine wesentlich größere Reichweite. Ich sehe diese Auszeichnung als große Wertschätzung meiner journalistischen, aber auch meiner fotografischen Arbeit. Waren doch alle Fotos zum Artikel von mir. Wer an diesem Artikel in irgendeiner Form beteiligt war/ist, s. weiter unten.

Danke für die folgenden Fotos an Elisabeth Greil:

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ZUM HINTERGRUND MEINES EINGEREICHTEN ONLINE-BEITRAGS:

 „Humanismus in der journalistischen Arbeit“ ist das Thema meiner Bakk.-Arbeit. Die Denkweise, dass hinter jeder einzelnen Story Menschen stecken, um die es in Wirklichkeit geht, ist grundlegend für meine journalistische Arbeit.

Ein inspirierendes Gespräch…
WIEN, September 2014. Eine motivierendes und inspirierendes Gespräch während eines Termins und eine zufällige Begegnung nach besagtem Termin, verbunden mit aktuellen Geschehnissen in Österreich, Europa und der Welt waren der Anstoß zur Recherche.
Während eines Termins in der Wiener Innenstadt Anfang September 2014 war im Gespräch die Thematik Finanzierung/Wohlstand/Möglichkeiten/Armut aufgebrochen. Grundlage waren Entwicklungen in Österreich und die Tatsache, dass immer mehr Menschen aus Syrien, Afghanistan u. a. nach Österreich flüchten. Ich wurde ermutigt, weiterhin journalistisch tätig zu sein.

… und eine zufällige Begegnung
Kurze Zeit später saß ich auf einer Parkbank, genoss mein Mittagessen und las in einem Buch. Es war einer dieser sommerlich-warmen Herbsttage in diesem Jahr. Plötzlich kam ein junger Mann vorbei und setzte sich auf die Parkbank neben mir. Er blickte kurz herüber zu mir und sprach mich an. In leicht gebrochenem, aber gut verständlichem Deutsch bat er mich um Hilfe und er habe sonst niemanden. Anfangs war ich vorsichtig, weil ich alleine unterwegs war, ihn und seine Absichten nicht kannte. Er war mir völlig fremd. Aber ich ließ mich drauf ein. Binnen kurzer Zeit wurde mittels Mix aus Deutsch und Englisch klar, worum es geht. Er zeigte mir ein paar Blätter Papier und zog einen Ausweis in Checkkarten-Format aus der Hosentasche. Der Mann war kaum älter als ich und hatte einzig einen bald auslaufenden „Fremdenpass“ als Ausweis. Die Blätter Papier entpuppten sich als Formulare der Flüchtlings-, Asyl- und Einwanderungsbehörden – in deutscher Sprache.
Wo lag das Problem? – Der junge Mann konnte zwar ein wenig Deutsch sprechen, aber weder lesen, noch schreiben und durfte derzeit keinen Deutschkurs besuchen. Offenbar hatte er ein paar Menschen gefunden, die ihm halfen, denn es waren bereits ein paar Zeilen in unterschiedlichen Handschriften ausgefüllt. Jedoch dürften diese Menschen den jungen Mann im Stich gelassen haben. Vielleicht wollten sie sich die Zeit für einen „Fremden“ nicht nehmen? Vielleicht hatten sie keine Zeit? Vielleicht spielten Vorurteile eine Rolle? Vielleicht war es ihnen zu mühsam? Vielleicht…

Ein kleines Abenteuer
Ich hatte jedenfalls Zeit, denn ich wollte noch für ein paar Stunden Wien genießen, bevor ich wieder zurück nach OÖ musste. Also half ich dem jungen Mann beim Ausfüllen der Papiere – soweit ich eine ungefähre Ahnung davon hatte, was in die Zeilen dieser Formulare wie eingetragen werden sollte. Denn das Fach „Formulare ausfüllen, um Flüchtlingen zu helfen“ gibt’s weder an den österr. Schulen, noch an meiner Uni. Dementsprechend füllten wir sie gemeinsam nach besten Wissen und Gewissen aus. Ich las die Fragen und Angaben vor, fragte den jungen Mann nach seinen Daten, trug sie für ihn ein und erklärte es ihm so gut wie möglich. Wir kamen zwischendurch immer wieder ins Gespräch. Woher er kommt, seine Vergangenheit, sein Weg, seine Gegenwart, seine Zukunft. Woher ich komme, was ich mache, wohin ich einmal will. Er war sehr dankbar und am Ende dieser intensiven Begegnung kannte ich einen Teil seiner ganz persönlichen Geschichte.

Menschenwürdige Flüchtlingspolitik sieht anders aus!
Diese Begegnung und das inspirierende Gespräch zuvor waren der Anstoß zu meinen Recherchen, bei denen ich von mehreren Menschen unterstützt wurde. Ich dachte: das kann doch nicht alles sein, was unser Land für diese Menschen tun kann. Flucht ist immerhin keine Frage von Freiwilligkeit. Menschenwürdige Flüchtlingspolitik sieht anders aus!

Vom weißen Screen zum Anerkennungspreis
Fest entschlossen machte ich mich an die Arbeit, recherchierte, interviewte, schrieb E-Mails, telefonierte, schrieb den Artikel und fragte bei unterschiedlichen Medien an, ob Interesse besteht. Die meisten Medien waren selbst gerade an ähnlicher Grundthematik dran oder wussten einen anderen Grund, den Artikel nicht zu veröffentlichen. Meine Entscheidung stand fest: Dieser Artikel ist für die Öffentlichkeit bestimmt. Mein Blog hatte – für seine Thematik – zu dieser Zeit bereits eine gute Reichweite. So veröffentlichte ich „Was verdienen Flüchtlinge?“ via eigenem Blog und fragte beim Roten Kreuz an, ob ein Verlinken o. ä. möglich ist, was weitere Veröffentlichungen mit größerer Reichweite zur Folge hatte. Die Blogstatistik spricht für sich. Ich reichte den Artikel beim „Journalismuspreis von unten“ ein und bekam große Wertschätzung und Anerkennung ausgesprochen.

PROTAGONISTINNEN:

  • Farid
  • Sedina Dolic, Sozialarbeiterin im Oberösterreichischen Flüchtlingswesen
  • Mavis Kwarko

EXPERTISE:

Insgesamt waren vom Roten Kreuz folgende Personen vermittelnd, informierend und/oder als InterviewpartnerIn beteiligt bzw. haben die Folge-Veröffentlichungen ermöglicht:

Generalsekretariat in Wien (alphabetisch gereiht):

  • Mag.a Andrea Janousek
  • Mag.a Andrea Kotorman
  • Mag. Thomas Marecek
  • Dr. Bernhard Schneider, Leiter der Abteilung für Recht und Migration des Österr. Roten Kreuzes (Expertise)

Landesverband OÖ:

  • Stefan Neubauer
  • Claudia Praher, Integrationsbeauftragte des OÖ Roten Kreuzes (Expertise)

Weiters weiß ich vom Landesverband Burgenland:

  • Mag. Tobias Mindler

der ein nettes fb-Posting verfasst hat.

SIEBEN WEITERE PREISTRÄGERINNEN

Kategorie TV

  • Mirjam Unger – „Armut ist kein Kinderspiel“ (ORF, Am Schauplatz)
  • Anerkennungspreis: Max Hartmann – „Krank sein in Athen“ (ORF, ZIB-Magazin)

Kategorie Print

  • Simone Brunner – „Am Tropf“ (Datum)
  • Anerkennungspreis: Christine Lugmayr u. Luise Walchshofer – „857 Euro zum Leben“ (NEWS)

Kategorie Radio

  • Susanne Krischke – „Leben an der Armutsgrenze – Die Krux mit der Mindestsicherung“ (ORF, Ö1 Journal Panorama)
  • Anerkennungspreis: Ilse Huber – „Ökologische Gerechtigkeit – Umweltschutz sozial gedacht“ (ORF, Ö1 Radiokolleg)

Kategorie Online

  • Romana Beer – „Immer mehr Frauen und Kinder in Not“ (ORF Online – ORF.AT)

 

EINE BROSCHÜRE IM RAMPENLICHT

Weiters wurde die Broschüre „Schreiben und Berichten über Armut. Leitfaden für respektvolle Armutsberichterstattung“ der Armutskonferenz vorgestellt. Sie enthält Tipps zur Vorgehensweise, zur Verwendung verschiedener Begriffe, sowie Statements zum respektvollen Umgang mit Menschen, die von Armut betroffen sind.

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4 Kommentare zu “Auszeichnung für tiefgründige und respektvolle Armutsberichterstattung – Zweiter Journalismus-/Medienpreis im Jahr 2014

  1. Pingback: BloggerInnen für Flüchtlinge – Menschen für Menschen. (m)ein Beitrag: “Flucht.Perspektiven” | Michaela Greil

  2. Pingback: BloggerInnen für Flüchtlinge – Menschen für Menschen. (m)ein Beitrag: “Flucht.Perspektiven” | Michaela Greil

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