Immer im Blick: Der Mensch – Ein Essay mit Allgemeingültigkeit in Vorbereitung auf das LehrerInnendasein

IMMER IM BLICK: DER MENSCH[1]
Ein Essay mit Allgemeingültigkeit in Vorbereitung auf das LehrerInnendasein
Copyright © 2014 Michaela Greil (2. Oktober)

„Mir kamen oft Zweifel, ob ich überhaupt am richtigen Platz war.“[2]

Da sein. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Vielleicht sind manche Menschen fürs LehrerInnendasein geschaffen. Vielleicht nicht. Pädagogische Arbeit muss auch nicht immer in einem Klassenzimmer stattfinden. In jedem Fall gibt es vieles, was für die Arbeit mit Menschen wichtig ist, ob mit Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen. Was dazu gehört ist, einfach da zu sein, wenn man gebraucht wird. Da sein, offen sein, zuhören, WAHRnehmen, ERNSTnehmen, verstehen… Immer im Blick: Der Mensch.

„Sie sagte immer, wenn sie (…) auch nur ein einziges Kind wirklich erreicht habe,
dann hätte es sich für sie schon gelohnt.“[3]

„Es geht nicht um Karriere. Es geht nicht um Erfolg. Was bleibt, sind die Beziehungen, die bleiben, wenn’s dir schlecht geht.“[4] Es geht also nicht um Ruhm und Ehre, um Preise und die große Verleihung auf der Bühne. Worum geht es dann? Worum geht es wirklich im Leben und in der Pädagogik? – Es geht darum, eine funktionierende und für beide Seiten wertvolle zwischenmenschliche Beziehung aufzubauen. Erst dann kann Vertrauen wachsen. Und nur dann ist es möglich, die Menschen zu „erreichen“, tief in ihnen etwas zu bewegen. Weiters geht es darum, den Menschen etwas mit auf den Weg zu geben. Ihnen ein Stück vom eigenen Wissens-, Erfahrungs- und Lebensschatz weiter zu geben und jederzeit etwas von ihnen zu lernen, denn man lernt bekanntlich nie aus. Immer im Blick: Der Mensch.

„Ihr schreibt immer, jeden Augenblick eures Lebens.“[5]

Gute PädagogInnen können die Menschen dabei unterstützen, ihre individuelle Geschichte zu schreiben. PädagogInnen können den Menschen das Handwerkszeug beibringen und ihnen den Weg weisen, wenn sie das brauchen. Sie sind Begleitende und wichtige WEGweisende auf dem Lebensweg anderer. Sie können Talente entdecken, die Menschen ermutigen, fördern und im richtigen Maß fordern. Immer im Blick: Der Mensch.

© 2014 Michaela Greil/MIG-Pictures e.U.

Immer im Blick: Der Mensch; Symbolbild: Michaela Greil/MIG-Pictures e.U.

„Singt euer Lied, tanzt euren Tanz, erzählt eure Geschichte.“[6]

Am Ende hat jeder Mensch eine wertvolle Geschichte zu erzählen. Jede dieser Geschichten sieht anders aus und verläuft auf anderen Wegen. In der einen Geschichte gibt es mehr Turbulenzen, mehr Steine auf dem Weg als in der anderen. In der einen Geschichte braucht es mehrere Weggabelungen, um ans Ziel zu gelangen als in der anderen. Jede dieser Geschichten ist erzählenswert. Es lohnt sich, das Lebenslied zu singen oder die Geschichte zu erzählen. Denn es gibt bestimmt jemanden, der sie hören möchte. PädagogInnen sind wesentliche Mitgestaltende dieser Lebensgeschichten. Sie tragen eine große Verantwortung und können mitwirken, wie die Geschichte verlaufen wird, welche Türen geöffnet und welche geschlossen werden. Durch die Tore zu schreiten, obliegt jedem Menschen selbst. Aber PädagogInnen sind Weg-Weisende und können verschiedene Türen aufschließen. Sie müssen sich dieser Verantwortung bewusst sein und danach handeln.
Und wer weiß, vielleicht kommen gute PädagogInnen sogar eines Tages namentlich in einer dieser mitgestalteten Geschichten vor. Vielleicht nicht. Wesentlich ist, dass sie in jedem Fall ihre Spuren hinterlassen. Wie diese Spuren aussehen, können die PädagogInnen mitgestalten. – Ob das Spuren des Respekts, der Liebe und Wertschätzung, Spuren der Toleranz, der Hoffnung, des Glaubens an die Person und Spuren der Förderung, Spuren der Freude und Kreativität sind, oder nicht. Immer im Blick: Der Mensch.

„Es gibt ein paar Dinge, die ich dieser Klasse sagen will.“[7]

Jeder Mensch hat etwas zu sagen. Jede/r tut dies auf seine/ihre ganz besondere Weise. Auf das WAS und das WIE kommt es an. Wie sieht die zu vermittelnde Botschaft aus? Welche Werte und Haltungen stecken dahinter? Wie kann diese Botschaft, pädagogisch interessant aufbereitet, übermittelt werden? Wie ist es möglich, die Würde des anderen nicht zu verletzen? Immer im Blick: Der Mensch. „Das Klassenzimmer ist ein Ort höchster Dramatik. Sie werden nie erfahren, was Sie den Hunderten, die da kommen und gehen, angetan oder was Sie für sie getan haben. Sie sehen sie hinausgehen: träumerisch, abwesend, spöttisch, bewundernd, lächelnd, ratlos. Nach ein paar Jahren wachsen Ihnen Antennen. Sie merken es, ob Sie sie erreicht oder abgeschreckt haben. Das ist Chemie. Psychologie. Instinkt.“[8] Vielleicht werden es manche PädagogInnen nie erfahren. Vielleicht doch.

„Finden Sie heraus, was Sie lieben, und tun Sie es.“[9]

Immer im Blick: Der Mensch.

Copyright © 2014 Michaela Greil (2. Oktober)
[1] Mit Zitaten aus: MCCOURT, Frank, Tag und Nacht und auch im Sommer. Erinnerungen, München 2008
[2] MCCOURT, Erinnerungen, 19
[3] MCCOURT, Erinnerungen, 11f.
[4] SEDMAK, Clemens, Wien 2013
[5] MCCOURT, Erinnerungen, 314
[6] MCCOURT, Erinnerungen, 5
[7] MCCOURT, Erinnerungen, 328
[8] MCCOURT, Erinnerungen, 328f.
[9] MCCOURT, Erinnerungen, 329

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